Reiseplanung

Weltreisevorbereitung – Wechselbad der Gefühle

Von Gastblogger , 05. August 2016

Mein Herz zerspringt vor Freude in der Brust, als ich die Entscheidung treffe alles aufzugeben um auf Weltreise zu gehen. An diesem Donnerstagmorgen veränderte sich mein Leben komplett und das erste Mal seit Ewigkeiten verspüre ich das Gefühl von Freiheit. Warum direkt so ein gravierender Einschnitt? Warum nicht? Wir wiegen uns täglich in Sicherheit und bilden uns ein, dass alles für immer uns gehört. Falsch gedacht. Wenn das

Universum es will, bist du es schneller los, als du gucken kannst. Also wozu in warmen Wogen der Sicherheit plantschen, wenn man auch wilde Wellen des Lebens surfen kann?

Zu mir: Ich bin Alex und habe mit fast Mitte 30 beschlossen, alles aufzugeben um die Welt zu bereisen. Im November steige ich in den Flieger nach Thailand und schwimme seitdem im Meer unterschiedlichster Gefühle. Seit Februar blogge ich dazu auf Meine Umwege und verpacke Reisen, Gedanken und Tipps in Worte.

 

 

Ich gehe auf Weltreise – Ein Wechselbad der Gefühle

Würde ich meine Wohnung behalten, müsste ich monatlich 500 € für leerstehende Räume ausgeben. Dafür kann ich schon einen halben Monat reisen. Meinen Job behalten? Hätte sich sicher regeln lassen, aber weiß ich, ob ich zurückkomme? Wozu soll ich die Sünden des Konsumrausches behalten wollen? Kann ich mir nicht alles erneut kaufen, falls ich irgendwann mal etwas davon möchte? Ende November wird mein kompletter Besitz in einen Salewa 50+10 Backpack passen und ich fiebere diesem Moment und diesem Gefühl mit Vorfreude entgegen. Zum zweiten Mal im Leben ist alles offen für mich. Das erste Mal war mit 16, als ich mich für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden musste. Damals war mir nicht bewusst, welche Freiheit mir in dem Moment geschenkt wurde. Heute sehe ich es mit neuen Augen. Mit erwachsenen Augen, die durch die kindliche Brille blicken und sich schelmisch auf die kommende Zeit freuen. Ich bin davon überzeugt, dass ich einen Job und eine Wohnung finden werde, wenn ich wieder komme. Ich bin gut ausgebildet und habe bis heute alles geschafft, was ich schaffen wollte. Warum sollte ich also Angst haben?

Und doch gibt es Tage, die mich an meinem gesunden Menschenverstand zweifeln lassen. Alles abbrechen um in die Welt hinaus zu rennen? Werde ich es schaffen oder muss ich irgendwann abbrechen? Werde ich Ängste und Zweifel überwinden und wird es tatsächlich so einfach sein, wiederzukehren? Wie wird der Abschied und werde ich Heimweh bekommen? Werde ich meinen Hund zu sehr vermissen und werde ich mit Krankheiten zu kämpfen haben, ohne dass Mama mir dann eine Suppe kocht? Ist es verrückt mit 34 alles fallen zu lassen, anstatt dem regulären Ablauf des Systems zu folgen? Mich den für mich vorgesehenen Schritten anzupassen? Die Sucht nach mehr im Leben überwiegt, und doch liegen einem die verzweifelten Tage im Magen und erinnern dich, dass bei der Suche nach Freiheit auch mal Steine im Weg liegen können. Bei der Weltreisevorbereitung muss man akzeptieren, dass solche Schritte nicht nur Romantik nach sich ziehen. Man muss für ein solches Leben und eine solche Entscheidung arbeiten und Dinge aufgeben, die tief im Herzen verankert sind. Ob es sich lohnt? Das findest du nur heraus, wenn du den Mut hast, diesen Schritt zu gehen.

Mein Plan ist es, am 25.11.2016 in den Flieger nach Bangkok zu steigen, relativ zügig nach Kambodscha zu reisen, von dort nach Vietnam, Myanmar, Bali, auf die Fijis und nach Hawaii, eventuell Kanada, Mittelamerika, Afrika und meine Weltreise auf den Azoren zu beenden. Ach, ich will die ganze Welt sehen! Ich überlege einen Teil der Strecke mit dem Rad zurückzulegen, ich möchte auf den Meeren dieser Welt SUPen, möchte wandern und fremde Kulturen kennenlernen, mich auf Spiritualität einlassen und mich selbst besser verstehen. Doch an Tagen voller Zweifel bin ich mir unsicher, wie das alles klappen soll. In diesen Gedanken zu ertrinken, bringt jedoch nichts. Konzentration auf den Stichtag und auf die Vorbereitungen die man noch tätigen muss, sind hilfreich. Wohnung und Job kündigen, Versicherungen und Verträge beenden, neue Versicherungen beantragen, sich über alle Möglichkeiten der Absicherung zu informieren und entscheiden wieviel man absichern möchte, überlegen wie man am intelligentesten das Geld verteilt, ob man einen internationalen Führerschein benötigt und welches Visum man im Vorfeld besorgen muss. Gerade in Bezug auf den letzten Punkt wird es schwer, wenn man eigentlich nur die ersten drei Länder kennt, in die man reist. Sich durch Visa und zuvor gebuchte Weiterflüge in seiner Freiheit beschneiden lassen? Sich selbst vorschreiben, wann es weitergehen muss? Keine Chance. Also gehe ich volles Risiko ein. Kann ich ein Land aus diesem Grund nicht bereisen, sollte es wohl so sein und dann geht es weiter ins nächste. Das ist Freiheit.

Es ist ein großes Privileg, wenn du in deinen 20ern die Chance bekommst, eine Weltreise zu machen. Vermutlich hast du ein paar weniger Hürden zu überwinden als ich, aber du hast garantiert genau dieselben Ängste. Einfach gehen und Freunde und Familie hinter dir lassen? Ich sage dir: Das tust du nicht. Heute gibt es Skype, WhatsApp und Facebook. Du kannst weiter an deren Leben teilnehmen und sie an deinem. Und du wirst neue Freunde kennenlernen. Menschen die in dein Leben und zu deiner Lebensart passen. Menschen die vielleicht auch zu einer Art Familie werden können. Dann die Sache mit der Weltreisevorbereitung und Organisation. Wie kann man eine solche Herausforderung nur meistern? Versuch es selbst. Informiere dich im Internet. Auf der Seite des Auswärtigen Amtes zum Beispiel erfährst du alles über Visa, Impfungen und über die Sicherheit in den jeweiligen Ländern. Möchtest du dir, wie ich, alles offen lassen und nur einen One-way Flug buchen oder bist du der Typ mit Hang zur Absicherung (was ich übrigens auch ein bisschen bin)? Überlege dir, was für dich in Frage kommt und womit du dich am wohlsten fühlst. Traust du dir die Planung einer Weltreise nicht zu? Such dir Hilfe! Heute gibt es viele Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben und dir nicht nur Informationen, sondern auch Hilfestellung leisten können. Du weißt nicht, ob du alleine reisen kannst? Es wird die unglaublichste Erfahrung deines Lebens und wird dich selbst zu deinem besten Reisebegleiter machen. Vertrau mir. Du musst nur offen sein, auch mal traurige Tage akzeptieren und dich nicht ständig selbst kritisieren. Nimm dich an wie du bist und lerne auf deine Intuition zu hören. Das wird dich im Leben am Weitesten bringen.

Bist du über die 20er schon hinaus? Willkommen im Club. Aber auch uns ist es doch erlaubt, solche Abenteuer zu erleben. Für dich sind die Hürden in Bezug auf das „geregelte Leben“ vermutlich größer. Du musst entscheiden, was du aufgeben möchtest und was bleibt. Vom Job über die Wohnung bis zum Paar Schuhe. Bist du bereit für das volle Risiko? Bist du bereit jedes bisschen Besitz in Geld umzuwandeln, was sich wiederum zu ein paar Tagen mehr auf Reisen wandelt? Oder möchtest du dir ein Stück deiner Welt bewahren? Diese Entscheidung nimmt dir niemand ab. Ist „Ganz oder gar nicht“ dein Motto, erwarten dich Aufschreie aus deiner Umgebung. Nicht, dass es die nicht auch bei der anderen Variante gibt. Aber beim vollen Risiko wird es am deutlichsten spürbar. Zweifler und Angstmacher. Sei darauf gefasst. Nicht jeder kann diesen Schritt, für den du dich entscheidest, nachvollziehen. Es ist etwas Besonderes und Außergewöhnliches in unserer sonst so geregelten Gesellschaft. Also lebe damit, dass es nicht nur positive Meinungen hagelt. Entscheide nach deinem Bauchgefühl, wer wie viele Informationen zu deinem Weltreise bekommt. Jedoch wird sich etwas für dich verändern: Mit dem Tag der Entscheidung, stellt sich eine „scheiß auf die“-Einstellung ein. Die Meinung der Menschen in deiner direkten Umgebung wird dir wichtiger, jedoch wird dir die Meinung aller anderen völlig egal.

Die Entscheidung für einen solchen Schritt zieht in jedem Alter Konsequenzen nach sich. Vorfreude und Angst geben sich die Klinke in die Hand. Behalte den Tag des Abflugs fest im Blick und die Ohren stets bei deiner Intuition und die Zeit bis zur Abreise wird für dich bereits zur Reise. Auch unterwegs wirst du Situationen erleben in denen nicht alles glatt läuft. Aber du wirst genauso wie in den Vorbereitungen daran wachsen und lernen damit umzugehen. Diese Entscheidung wird dich und dein Leben völlig verändern und solltest du danach wieder zurück wollen, bleiben die Türen für dich geöffnet. Du musst es nur wollen und dir vertrauen. Alles andere kommt wie von selbst.

Ich wünsche jedem von euch den Mut, eine solche Entscheidung zu treffen und ich wünsche euch Kraft sie umzusetzen. Nur darüber nachdenken reicht nicht. Geht raus und macht! Ihr habt es in der Hand, wie euer Leben aussieht!

6 Antworten zu “Weltreisevorbereitung – Wechselbad der Gefühle”

  1. sascha s. sagt:

    toller plan! bin zufällig in der gleichen situation. 34 jahren alt, job vor einem monat gekündigt und im september gehts nach thailand. danach hab ich so ziemlich die gleiche runde vor… 🙂

    zweifel kommen immer wieder mal hoch in der vorbereitung, das ist völlig normal denk ich. erfahrungsgemäß verschwinden die aber genauso schnell wie sie aufgetaucht sind. und ist man erst mal außer landes, hat man sowieso besseres zu tun… 🙂

    mir fällt es mittlerweile leichter, mit mitte 30, alles stehen und liegen zu lassen, als mit anfang 20. da wusste ich solch eine lebenserfahrung einfach noch nicht zu schätzen und war eher materialistisch eingestellt…4 monate in neuseeland mit 30 haben dann aber endgültig alles verändert und ich freu mich wie ein nackiger auf das nächste abenteuer… 🙂

    wünsch dir viel spaß auf deinem trip! vlt läuft man sich ja mal irgendwo über den weg… 🙂

    lg aus wien
    sascha

  2. Eva & Birgit sagt:

    Hallo, super geschrieben!
    Viel Spaß auf deiner Reise 🙂
    Wir stecken auch gerade mitten in den Vorbereitungen (Start 1.11 bei uns)!

  3. Toller Artikel von Alex. Verstehen kann man das Leben nur rückwärts leben muss man es vorwärts.

    Es gehört ein riesiger Schritt MUT dazu solch eine Entscheidung zu treffen und sie dann auch in die Tat umzusetzen.

    Frauen stehen dem Allein-Auf-Reisen-Gehen oft mit mehr Skepsis gegenüber als Männer aber dank der Emanzipation hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Und der Mann? Abenteuerlust wird seit jeher dem männlichen Charakter zugeschrieben. Was sollte einer Reise die ganz auf sich allein gestellt ist noch im Wege stehen?

    Wer ist immer für dich da und auf wen kannst du dich 100 prozentig verlassen? Wem können wir vertrauen, weil er uns Gutes geben möchte? Wer kann das sein?

    Alex das bist du – du ganz allein!

    Ich wünsche dir ganz viel Spaß und genieße jeden Tag deines Freiraumes. Der beste Weg, einen Freund zu haben, ist der selbst einer zu sein!

    Ich habe vor kurzer Zeit den Entschluss gefasst und werde die Reise meines Lebens demnächst antreten und kann jeden Satz deines Artikels sehr gut nachvollziehen – und ich bin im besten Alter und ein Mann.

  4. Alex sagt:

    Vielen lieben Dank für eure tollen Kommentare!! Sowas ist immer ein schönes Gefühl.
    @Sascha: Ist bei mir auch so gewesen. Plötzlich fällt es einem leichter alles wegzugeben und dem Konsum zu entsagen. Würd mich freuen mehr von deiner Tour zu erfahren. Schick mir doch mal ne Mail oder eine PM bei Facebook.

    @Eva&Birgit: Super, kurz vor mir. Wie ist eure Route??

    @Ralf: Danke für Deine tollen Worte! Ja man ist sich selbst der beste Freund! Bin auf dein Abenteuer gespannt und werde das verfolgen 🙂

    Liebe Grüße an euch und danke für das Lächeln auf meinen Lippen 😉

  5. Danil sagt:

    Wow, vielen dank für die schönen Einblicke.

    Wie man anhand deiner Bilder gut sehen kann, du reist nicht zum ersten Mal. Ich denke, da wirst du viel Freude haben! Wünsche dir ganz viel Kraft!

    Wirst du nur reisen oder auch arbeiten? Wirst du „nur bloggen“ oder rufen weitere Ziele? Was erwartest du und wie möchtest du es erreichen?

    @Sascha, häufig beginnen die Menschen allerdings mit Mitte 30 eine Familie zu planen und schon fällt es doch viel schwerer 😉

  6. Domenico sagt:

    Hallo ihr lieben Weltenbummler,

    habe gerade echt Gänsehaut bekommen, als ich den Artikel gelesen habe!

    Da ich mich Aufgrund der Tatsache, dass manches einfach noch nicht seien soll und ich die Chance gesehen habe zu Reisen und vermutlich die ganze Welt sehen zu können (was für viele nur ein scheinbarer Traum ist) mich dazu entschieden mit einem Work & Travel in Australien zu starten!

    Es ist unheimlich schwer diesen ersten Schritt zu machen, aber doch sehr einfach wenn man nach der Entscheidungstreffung Nägel mit Köpfen macht und alles in die Wege leitet!

    Mit Flug buchen (one-way) und beantragen von einem Visum für Australien hatte ich auch das Gefühl der Freiheit gespürt!

    Zwar hab ich gerade mehr Arbeit, als vorher…. Man weiß ja wozu es gut ist! dann kommen vermutlich 2-3 Monate mehr dazu!

    Ich freue mich für all diejenigen, die die selbe Entscheidung treffen können, da es nur wenige Menschen gibt die den Mut dazu haben alles hinter sich zu lassen und einfach mal zu machen!

    Macht weiter so und wir sehen uns alle bestimmt irgendwo!

    Ihr wisst ja – Die Welt ist ein Dorf!!!

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