Reiseberichte

WE ARE Traveling: Zahlen, Daten, Fakten

Von Gastblogger , 17. August 2012

Das Kaspische Meer! Halbzeit unserer Reise mit dem Fahrrad nach China. 175 Tage, 12 Länder, rund 8000 zurückgelegte Kilometer, davon 6283 mit dem Fahrrad, 2 schweißtreibende Bahnfahrten, 3 Busfahrten, 3 mal mit dem Boot. 110 Sonnentage, 28 Tage Regen, 36 mal Nudeln mit Tomatensoße, um die 135 Mückenstiche, 3 schlaflose Nächte, ca. 40 glimpflich verlaufene Hundeattacken, 27 mal Winken pro Tag, 15 mal „GERMANIA“ rufen auf die Frage, woher wir kommen. 10 Platte Reifen, zum Glück keine Unfälle. Unzählige Begegnungen, eine handvoll neue Freunde, die wir bestimmt wiedersehen werden. 1.000 Eindrücke..



Zahlen, die in etwa wiedergeben, welche Datenflut in unseren Köpfen herum schwirrt, welchem Fitnesstest wir unsere Körper unterzogen haben, welchen Strapazen unser Material bisher Stand gehalten hat. Doch es ist mehr als das! Mehr als diese Zahlen. Jeder einzelne Tag, jede einzelne Begegnung ist etwas Besonderes! Und dennoch so viel, dass es manchmal schwer fällt, das gerade Erlebte nicht erst einmal auf den Ablagestapel im Kopf zu verfrachten, um es in einem ruhigen Moment – oder vielleicht sogar erst nach der Reise – nachzuerleben und noch einmal in vollen Zügen zu genießen.
Man erlebt. Und zwar jeden Tag, jede Nacht, jede Stunde, jede Sekunde. Keine Situation ist gleich. Man ist immer in Bewegung. Schaut in immer neue Gesichter, fährt beinahe niemals eine Strecke zweimal (außer man hat sich verfahren), passiert immer genau dann die Grenze eines neuen Landes, wenn man sich in dem vorherigen gerade eingelebt hat. Manchmal nehmen Landschaften bekannte Züge an. Und doch ist jede individuell: Eine eigene Pflanzenwelt, neue Gerüche und verschiedene Klimazonen. Es ist nicht vergleichbar mit dem Leben zu Hause, wo alles in gewohnten Bahnen läuft. Wo man seine Umgebung kaum noch betrachtet, da man auch mit geschlossenen Augen beschreiben kann, wie sie aussieht.


Die Menschen verstehen manchmal nicht, dass es uns schwerfällt, ihre Sprache zu lernen. Doch was sie oft nicht sehen ist, dass wir nicht nur das Grundvokabular ihres Landes versuchen in unseren Sprachgebrauch zu integrieren – sondern auch das der 12 anderen Länder, die wir durchreisen. In Georgien begegnen uns hierzu noch völlig neue Schriftzeichen, ebenso wie im Russischen Raum die kyrillische Schrift.


Kann man müde werden vom Erleben? Man kann! Manchmal ertappen wir uns, wie wir gelangweilt einem Auto hinterherschauen, dessen Dach so vollgeladen ist, dass es nach physichen Gesetzten eigentlich umfallen müsste. Wie wir den desinteressierten Blick des Gras-kauhenden Kamels am Strassenrand erwiedern. Das Problem ist, dass man keine Zeit findet, das Erlebte zu verarbeiten. Ständig kommt neuer Input dazu. Da ist es beinahe erholsam, durch die eintönige Ebene Kasachstans zu fahren und die Gedanken einfach mal schleifen zu lassen.


Das Reisen mit dem Fahrrad ist keine allzu schnelle Fortbewegungsmethode. Und dennoch so intensiv, und so voll mit Erlebnissen, dass die Länder und Tage nur so an einem vorbei rasen. Zehn Monate – eine Zeit, die uns zu Anfang unglaublich lang erschien. Und jetzt? Wir zählen nun nicht mehr die Tage, die wir schon unterwegs sind, sondern die Zeit, die uns noch bleibt, bis wir plötzlich wieder zu Hause in Deutschland sind.

Mehr von den Beiden gibt’s im Blog und auf ihrer Webseite.

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