Europa

Rom – Ein Ausflug in die ewige Stadt

Von Mirko von der Weth , 04. September 2015

Eintauchen in eine quirlige Stadt, auf den Spuren von Nero und Cäsar wandeln, die Römische Antike hautnah erleben, Kultur an jeder Ecke entdecken oder einfach nur das Dolce Vita genießen – Gründe für einen Städtetrip nach Rom gibt es viele. Das waren zumindest einige von unseren Gründen, die uns im März für fünf Tage nach Rom geführt haben.

Die Entscheidung für die Reisezeit im Frühjahr haben wir bewusst getroffen, da das einige Vorteile mit sich bringt. Einer der größten Pluspunkte ist die Tatsache, dass man zu dieser Zeit deutlich weniger Besucher in der Stadt hat. Von Mai bis September fallen Heerscharen von Touristen ein und prägen bewaffnet mit Selfie Sticks und Reiseführern das Stadtbild. Als Folge dessen muss man an den Hauptattraktionen mit langen Wartezeiten rechnen, schafft dadurch weniger Sehenswürdigkeiten an einem Tag als man könnte und am Ende steht einem auch noch ständig jemand im Bild herum…

Im Frühjahr ist alles deutlich entspannter und man kann sich einfach auch mal treiben lassen. Rom ist ohnehin eine Stadt, die man zu Fuß am besten entdecken kann. Ein weiterer Vorteil ist natürlich auch das Klima. Wer hat schon Lust im Sommer bei 30 Grad und mehr durch die Stadt zu laufen oder die Zeit mit Warten in der prallen Sonne zu verbringen? Wir jedenfalls nicht und nutzen da lieber die angenehmen Temperaturen von um die 20 Grad im März. Ehrlicherweise muss ich noch ergänzen, dass zu Beginn des Frühjahrs das Wetter noch unbeständig sein kann und Regen durchaus möglich ist – so wie bei uns über den kompletten Zeitraum, so dass wir den Beinamen auf „die ewig verregnete Stadt“ geändert haben. 🙂 In Rom kann man und sollte man sich viel im Freien bewegen, allein schon wegen der Ausgrabungsstätten, aber auch für schlechtes Wetter gibt es ausreichend Alternativen.

Für den ersten Aufenthalt muss man natürlich die Highlights der Stadt besichtigen, für die Rom weltweit bekannt ist. Mein persönlicher Tipp ist der Kauf des „Roma Pass“, den es in zwei Varianten für 2 Tage (28 Euro) und 3 Tage (36 Euro) gibt. Damit erhält man kostenfreien Zutritt zu den beiden ersten Ausgrabungsstätten, Museen und anderen Sehenswürdigkeiten, für alle weiteren Besuche gibt es tolle Discounts und man kann während der gesamten Gültigkeit auch kostenfrei den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Ein komplettes Verzeichnis aller Sehenswürdigkeiten sowie ein Stadtplan sind ebenfalls in dem Paket dabei.

Wir haben uns am ersten Tag erst einmal einen groben Überblick verschafft, wo was ist und sind mehr oder weniger planlos durch die Stadt gelaufen. Vorbei am Kolosseum und Forum Romanum zum Kapitol, weiter treiben lassen zum Pantheon, Trevi-Brunnen und der Piazza Navona mit seinem bekannten Vierströmebrunnen (Fontana dei Quattro Fiumi). Natürlich darf auch der Petersplatz samt Petersdom nicht fehlen. Einen perfekten Blick auf Rom und den Vatikan hat man von der Engelsburg – das sollte man auf jeden Fall nicht verpassen.

Unseren Rundgang haben wir an der Spanischen Treppe ausklingen lassen. Nach so viel Fußmarsch hatten wir uns eine richtig gute Pizza verdient, fanden wir zumindest. Wer richtig gut essen möchte, der kommt an der Trattoria Luzzi in der Via san Giovanni in Laterano 88, unweit des Kolosseums, nicht vorbei. Egal ob Pasta, Pizza oder Lasagne – hier kannst du nichts falsch machen, einfach köstlich und wirklich günstige Preise. Ist mein persönlicher kulinarischer Tipp!

Die folgenden Tage waren mehr oder weniger von Regen bestimmt, so dass wir unsere Pläne für den zweiten Tag ein wenig anpassen mussten. Und wie bereits erwähnt, Rom hat auch bei schlechtem Wetter eine Menge zu bieten. Zahlreiche Museen, die gefühlt alle erdenklichen Interessen abdecken (und zudem im Roma Pass inkludiert sind), warten auf interessierte Besucher. Ausgestattet mit einem Regenschirm (den man von fliegenden Händlern für 4-5 Euro kaufen kann – wahrscheinlich nicht ganz offiziell) haben wir uns zur Galleria Nazionale d’Arte Moderna e Contemporanea (kurz: GNAM), einem der bedeutendsten Museen Italiens, aufgemacht. In 75 Räumen werden über 5.000 Gemälde und Skulpturen aus dem ab dem 19. Jahrhundert bis heute ausgestellt. Hier findet man Werke großer Maler wie Monet, van Gogh, Kandinsky, Klimt, Warhol – die Liste ließe sich scheinbar endlos fortführen. Aber auch moderner Künstler wie Cristiana Vignatelli Bruni oder Fabrizio Dusi. Ich bin nicht wirklich der Museumsgänger, aber diesen Besuch bereue ich keine Sekunde; und die Zeit vergeht unglaublich schnell.

Wem das noch nicht genug ist und gern auf Zeitreise gehen möchte, dem empfehle ich das Museo Nazionale Romano. Das auf vier Standorte aufgeteilte Museum beherbergt eine der bedeutendsten archäologischen Sammlungen weltweit. Mit dem Roma Pass bekommt ihr auch hier ein Ticket, welches für alle Standorte gilt – Crypta Balbi, Palazzo Altemps, Palazzo Massimo und die Diokletiansthermen.

Den dritten Tag haben wir ausschließlich im Vatikan verbracht. Wer von Petersplatz und Petersdom schon begeistert ist, der wird bei der scheinbar grenzenlosen Ansammlung von Kunst in den Vatikanischen Museen vom Glauben abfallen – aber lieber nicht wortwörtlich, schließlich ist man hier im Herzen der katholischen Kirche. Da wir uns hier im Vorfeld informiert haben, haben wir uns für eine geführte Tour in einer kleinen Gruppe entschieden. Der Guide führte uns durch die unterschiedlichen Abteilungen der Vatikanischen Museen und erklärte immer wieder sehr umfangreich und interessant die wichtigsten Kunstwerke.

Ohne ihn hätten wir uns hier sicher völlig verloren – sowohl räumlich gesprochen als auch in Bezug auf die abertausenden Kunstwerke. Höhepunkt, auf den alle spürbar hinfieberten, war natürlich das Betreten der weltbekannten Sixtinischen Kapelle.

So wenig wie ich ein Museumsgänger an sich bin, so wenig habe ich auch mit der Kirche am Hut. Aber hier war selbst ich völlig sprachlos und einfach nur begeistert. Das ist einer dieser Orte, wo man in seinem Leben unbedingt gewesen sein muss. Im Anschluss ging die Führung weiter in Richtung Petersdom, der die größte der vier Papstbasiliken in Rom und eine der sieben Pilgerkirchen der Stadt ist. Gemeinsam mit dem Petersplatz bildet die Basilica Papale di San Pietro in Vaticano, so der offizielle Name, das Zentrum des Vatikans.

Wenn man drinnen steht, verlieren sich schnell Dimensionen, da man sich unglaublich klein fühlt. Eines der wichtigsten Merkmale des Sakralbaus ist natürlich die weltbekannte Kuppel, die mit ihrem Durchmesser von über 42 Metern die weltweit größte, freitragende Kuppel ist. Abgesehen davon gibt es noch viel mehr zu entdecken: Pietà von Michelangelo, Berninis Baldachin, der Heilige Stuhl oder die Papstgrabmäler. Persönlich beeindruckt war ich von den Mosaiken in der gregorianischen Kapelle (Mitte rechts im Hauptschiff): diese bestehen aus so vielen kleinen Steinchen, dass man sie für Gemälde hält. Erst wenn man ganz nah davor steht, erkennt man, dass es eigentlich Mosaike sind. Insgesamt muss ich sagen, hat sich der Ausflug in die Stadt in der Stadt wirklich gelohnt, ich würde es aber immer in Verbindung mit einer Führung machen – so erfährt man auch die ganzen Hintergründe und die eine oder andere Anekdote.

Am Vormittag des vierten Tages hatte Petrus kurz Erbarmen mit uns und schenkte uns eine kurze Regenpause. Die nutzten wir natürlich umgehend und besuchten das Kolosseum, das als das größte Amphitheater des Antiken Roms gilt.

Wenn man sich vorstellt mit welchen Mitteln das Bauwerk kurz nach der modernen Zeitrechnung errichtet worden ist, dann erkennt man sehr schnell, was das für eine (über-)menschliche Leistung ist. Nach fast 2.000 Jahren sind noch immer große Teile der Fassade, der Unterkellerung sowie der rund 50.000 Sitzplätze erhalten.

Man kann nur erahnen, was für eine Stimmung, was für ein Spektakel bei den Veranstaltungen in dieser riesigen Arena geherrscht haben müssen, aber auch mit welchem Leid die Kämpfe häufig verbunden waren. Auch deswegen gilt das Kolosseum seit 1999 als Mahnmal gegen die Todesstrafe: Unterstützt durch die italienische Regierung wird das Denkmal immer dann 48 Stunden bunt angestrahlt, wenn ein Land auf dieser Welt die Todesstrafe abschafft oder eine verhängtes Todesurteil ausgesetzt wird.

Den Rest des Tages haben wir noch genutzt um in die Wohnviertel Roms einzutauchen. Trastevere, das alte Arbeiterviertel, hat viele urige Trattorias und Lokale zu bieten. Sehr charmant, aber eben auch sehr bekannt bei den Touristen und daher nicht mehr ganz so authentisch und auch stärker frequentiert. Deutlich entspannter geht es da in Monti zu, einem ehemals recht armen Stadtviertel in der Nähe des Forum Romanum. Hier kann man auf der Piazza della Madonna dei Monti bei einem Cappuccino vom Sightseeing entspannen oder den Tag mit einem guten Wein ausklingen lassen. Architektonisch sehr reizvoll fand ich Paroli, das sich im Nordwesten der Stadt befindet. Hier findet man, so meine Meinung, die schönsten Wohnhäuser. Wer sich traut, sollte die Bewohner ansprechen und versuchen Zugang zu den Innenhöfen zu erhalten. Was sich hier bietet, kann sich wirklich sehen lassen und lohnt jede Mühe sich mit Händen und Füßen verständlich zu machen.

Unsere Zeit in der italienischen Hauptstadt verging viel zu schnell und trotz Regen haben wir eine tolle Zeit gehabt. Natürlich verleiht Sonnenschein und blauer Himmel einem Städtetrip einen besonderen Charme und sieht auf Fotos mehr nach Urlaub aus. Aber in einer Stadt wie Rom tut das dem Reiseerlebnis überhaupt keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, man ändert seine Pläne und entdeckt so Sehenswürdigkeiten und Ecken abseits der klassischen Touristenpfade, die man so sonst vielleicht nicht angeschaut hätte. Wir haben unsere Zeit sehr genossen und kommen sicherlich auch wieder. Immerhin hat uns Rom am Tag der Abreise mit Sonnenschein verabschiedet – ich habe es als Einladung für den nächsten Besuch verstanden.

PS.: Wissen, dass die Welt nicht braucht. Wusstest du schon, dass es in Rom mehr regnet als in London? Okay, ich mit meinen vier Regentagen würde sofort JA sagen, aber es stimmt wirklich! Zumindest bezogen auf die Regenmenge pro Jahr hat die Stadt am Tiber die (nasse) Nase um Längen vor der Stadt an der Themse – ist doch der Eindruck eigentlich genau umgekehrt. Rom „beeindruckt“ mit rund 900 Liter pro Quadratmeter im Jahr, in London hingegen fällt nur ca. die Hälfte an Regen im Vergleich. Schaut man aus einem anderen Blickwinkel, nämlich aus Sicht der Anzahl der Regentage, dann gewinnt London. An gut 40% der Tage im Jahr bekommt man hier nasse Füße, in Rom hingegen nur an gut 20%.

Eine Antwort zu “Rom – Ein Ausflug in die ewige Stadt”

  1. Wo übernachten in Rom sagt:

    Tolle Fotos vom Museum, wirklich interessant der Blog mit tollen Tipps.

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