Asien

Malaysia – Spuren lesen im Dschungel

Von Melanie Adam-Meinken , 02. September 2016

Für Tier- und Naturenthusiasten ist eine Reise in den Teman Negara Nationalpark in Malaysia ein pures Erlebnis. Wer kann schon behaupten, dass er im ältesten Waldgebiet der Erde (130 Millionen Jahre, um genau zu sein) Tiere vor potentiellen Wilderer-Fallen retten konnte? Genau das war nämlich meine Aufgabe bei diesem Projekt!

Drei bis sechs Stunden dauerte jeder unserer Dschungeltreks, das Freiwilligenprojekt (bzw. die „Voluntour“) ging insgesamt eine Woche lang. Zusammen mit einem einheimischen Führer, zwei Tourguides, und der Gruppe, die das Projekt zusammen mit mir gemacht hat, bewegte ich mich bei jedem Trek langsam durch die beinahe unberührte Natur. Kurze Pausen mussten zwischendurch sein, um literweise Wasser zu trinken und vorsichtig die Blutegel von meinen zerkratzten Beinen zu entfernen. Dabei konnte ich das phänomenale Urwald-Konzert genießen, wobei der Affenchor das absolute Highlight war. Das Projekt hat in Merapoh stattgefunden – eine Stadt an der Grenze des Teman Negara Nationalparks.

Das Urwald-Konzert kann man hautnah erleben

Die wichtigste Aufgabe die wir hatten, war die Entfernung von Fallen, die Wilderer aufgestellt hatten. Das Projekt setzt sich dafür ein, die vielen Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind, zu schützen. Dazu zählen insbesonders Tiger. Man weiß vor keinem der Dschungeltreks, was einen erwartet;  das macht das Ganze natürlich besonders spannend. Am häufigsten haben wir Spuren von Bären (kleine „Sun Bears“) gefunden, so genannte track marks. Besonders frische Spuren wurden dann in einem GPS eingetragen – somit kann man Bewegungsmuster abbilden, wo sich welche Tiere im Wald bewegen. Zu den Tieren zählen zum Beispiel Tiger, Panther, Elefanten, mehrere Hirscharten, Wildschweine und Bären. Leider haben wir keine Tiere gesehen, das ist bei dem Projekt aber zu erwarten.

Besonders frische „track marks“ sind viel Wert. Das bedeutet die Tiere befinden sich in der Nähe.

Von sieben Tagen sind wir vier Tage lang im Dschungel trekken gegangen. Den fünften Tag verbrachten wir sogar mit einer kleinen Gruppe von Ureinwohnerinnen, die sich Batek nennen. Derzeit sind es ca. 1.500 Menschen die zu dem Volk der Batek gehören. Sie sind nomadische Jäger und Sammler und wohnen in erster Linie im Teman Negara Nationalpark. Zusammen mit der Gruppe haben wir Blumen gesammelt für den Haarschmuck der Batek-Frauen und konnten dabei weiter nach Wilderer-Fallen suchen.

Die Frauen der Batek Bevölkerung legen auf Blumenschmuck sehr viel Wert

Für mich war das Ende dieses Treks besonders. Als wir uns dem Ende zu näherten sahen wir zwei Motorräder – das bedeutete ganz klar nur eins: Wilderer! Da die Motorräder keine Nummernschilder hatten, konnten diese auch nicht gemeldet werden. In der Zeit in der sich die Tourguides weiter Gedanken darüber machten, habe ich mich umgesehen und ganz weit oben an einem Baum einen Vogel in einem Käfig entdeckt. Logischerweise kam mir das etwas seltsam vor. Die Tourguides hatten selbst noch nie so etwas entdeckt, und wussten erstmals nicht wie sie reagieren/agieren sollten. Normalerweise hätten sie den Vogel frei gelassen – aber die Wilderer waren noch in der Nähe. Eventuell hatten sie uns sogar beobachtet, als wir vor dem Käfig standen, daher haben wir uns leider nicht getraut, den Vogel zu befreien. Wir haben eine E-Mail an die Wildlife Crime Hotline geschickt, um nachzufragen, wie man in einer solchen Situation handeln sollte.

Für mich war das echt ein abenteuerliches Erlebnis. Eine Woche lang mitten in der Natur Malaysias wohnen zu können… etwas Schöneres gibt es nicht. Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich zum Tierschutz und zur -erhaltung  einen Beitrag geleistet habe, auch wenn wir den Vogel im Käfig nicht freilassen konnten.

Vor allem die Sonnenuntergänge in Merapoh waren einfach traumhaft

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