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Allein reisen in Lateinamerika

Von Gastblogger , 20. Oktober 2017

“Mama und Papa, ich fliege allein mit meinem Rucksack nach Lateinamerika! Ich bin in ungefähr einem halben Jahr wieder zurück. Ich werde die meiste Zeit alleine durch Hostels oder Homestays tingeln und ohne eine Organisation oder Ähnliches reisen. Adios Amigos!“ Ich denke, jeder kann sich vorstellen wie so eine Aussage auf die Eltern wirkt. Aber da es so schien als hätte ich den perfekten Durchblick, hatte genug gespart, um mir die gesamte Reise selbst zu finanzieren und war gerade alt genug, konnte mich damals nichts und niemand mehr aufhalten.

Als Frau alleine in Lateinamerika unterwegs

So selbstsicher war ich dann allerdings kurz vor der Reise doch nicht mehr. Natürlich auch weil mich so viele bequatscht hatten, wie gefährlich es doch sei, alleine als Frau und dann auch noch nach Lateinamerika zu reisen!

Mein Backpack und ich unterwegs in Ecuador.

Also begann ich mit einigen…

Vorbereitungen

Pläne machen in einer Hängematte im Nebelwald von Ecuador. Der Lonely Planet darf natürlich nicht fehlen, am besten als E-Book um Platz und Gewicht zu sparen.

  • Notrufnummern, Botschaften etc. vorab recherchieren und ausdrucken (Falls man mal verloren in den Straßen rumläuft oder Schwierigkeiten mit der Kommunikation hat, kann man die Papiere ganz einfach vorzeigen).
  • Lernt die Landessprache! Spanisch wird in den meisten Teilen von Zentral- und Südamerika gesprochen. Der Großteil der Leute kann auch kaum bis gar kein Englisch, also ist man darauf angewiesen Spanisch zu sprechen oder sich mit Händen und Füßen durch zu schlagen. Allerdings wirkt man selbstsicherer wenn man gegenüber Männern auch mal ein klares ‚Nein‘ äußern kann und in Notfällen seine Situation erklären kann.
  • Prepaid Kreditkarte mit Online Banking beantragen, im Falle eines Diebstahls ist nicht direkt das ganze Reisebudget weg. Am besten autorisiert man bei der Bank einen Kontozugang für eine vertrauenswürdige Person, die im Notfall von zu Hause aus handeln kann. Das gilt auch für Postsendungen etc.
  • Beglaubigte Kopien von Reisepass und Impfpass/Führerschein etc. ausstellen lassen, so muss man auf Trips nicht immer seine originalen Papiere mitnehmen. Bei Verlust geht es an der Botschaft mit beglaubigten Kopien der Dokumente schneller.
  • Freunde-App auf dem Handy aktivieren oder einer Person die Reiseroute geben und Nachrichten, in welchem Hostel man sich zum Beispiel aufhält, hinterlassen.
  • Wertsachen wie: Kamera, Handy etc. mit kitschigen Stickern bekleben. Natürlich hält das keinen Diebstahl auf, aber trotzdem wirkt es allgemein etwas „unattraktiver“.

Hier sieht man mein beklebtes iPad, auch Handy und Kamera waren mit Stickern versehen.

  • Kauf von Funktionskleidung, Rucksack etc.: darauf achten, dass Logos nicht zu auffällig sind.
  • Rucksack mit bunten Aufnähern (von Ländern die man vielleicht schon bereist hat) versehen. Dient nicht nur dazu, dass man einen bei Nebel und Schneefall in den Anden erkennt, sondern sagen auch aus, dass man Reiseerfahrung hat. Viele zeigen auch Interesse und fragen nach.

Neues Land, neuer Aufnäher 🙂

Während ich allein durch Lateinamerika reiste, merkte ich jedoch schnell, dass die ganzen Vorbereitungen eher für mein besseres Gefühl dienten, als dass sie wirklich notwendig waren. Ich kann schließlich auch nicht verstecken wer ich bin. Jeder sieht mir natürlich an, dass ich eine Europäerin bin, doch in Lateinamerika sind die meisten Menschen tatsächlich offen und hilfsbereit. Ich habe mich auch in kaum einer Situation wirklich unwohl oder unsicher gefühlt. Sicherlich lauert die Gefahr überall, aber ich würde nicht sagen, dass ich mich in einer deutschen Großstadt sicherer fühle.

Trotzdem habe ich auch vor Ort bis zum Ende der Reise an einige Sachen gedacht:

Verhalten vor Ort

  • Mit offenen Augen durchs Land reisen.
  • Angemessen kleiden! Nicht nur in muslimischen Ländern sollte man sich bedeckt anziehen, auch in ärmeren Ländern Südamerikas, wie beispielsweise Bolivien, sollte man darauf achten, nicht zu freizügig rumzulaufen, ganz besonders als allein reisende Frau. Auch ein Auffallen mit teuren Markenklamotten ist unangenehm.
  • Leute kennenlernen! Das ist eigentlich unvermeidbar, wenn man durch Hostels und Busse tingelt. Gerade entlang der Panamerikana sind einige Backpacker unterwegs, die offen für neue Bekanntschaften sind und niemand ist auf Dauer gerne alleine, oder? Das ist auch gut, um sich mal Grüppchen anzuschließen und sei es nur für einen Ausflug oder eine gefährliche Wanderung, die man nicht gerne alleine auf sich nehmen möchte.

Ich habe in fast jedem Hostel tolle Leute kennengelernt.

  • Nachts nicht alleine durch unbeleuchtete Straßen irren und vorher prüfen, welche Stadtteile der jeweiligen Stadt als gefährlich oder kriminell gelten.
  • Wertsachen am besten immer nah am Körper tragen.
  • Wichtige Papiere und ähnliches in eine Tasche mit Vorhängeschloss packen. Im besten Fall gibt es ein Schließfach im Hostel.
  • Es ist immer hilfreich mit einem Reisebüro in Kontakt zu stehen. Wenn ich zum Beispiel Probleme hatte in ein Land einzureisen, bei Visa-Fragen oder Ticketbuchungen konnte ich alles per E-Mail mit meinem STA Travel Reisebüro in Bonn abklären.
  • Lasst euch nicht anmerken, falls ihr mal keine Orientierung haben solltet. Versucht immer selbstsicher zu wirken.

Bitte lasst euch beim Reisen aber auch nicht zu sehr durch Angst einschränken. Das Allerwichtigste ist, dass ihr achtsam seid und lernt, Situationen einschätzen zu können. Etwas Menschenkenntnis gehört ebenfalls dazu, aber am besten hört man einfach auf sein Bauchgefühl!

Auf das Bauchgefühl zu hören sollte euer ständiger Begleiter sein.

Leider kann ich euch keinen tollen Tipp dazu geben, wie man sich beim Alleinreisen den Rücken einschmiert, wer tolle Bilder von einem macht oder wer auf euren Rucksack aufpasst, wenn ihr mal dringend auf Toilette müsst. Nach ein wenig Zeit auf Reisen hat man aber den Dreh raus und das meiste ergibt sich ganz von selbst.

Also, traut euch! Warum sollen wir Frauen nicht auch alleine Lateinamerika und überhaupt, die Welt entdecken können? Habt etwas Mut und macht euch frei! 🙂

Macht euch frei!

Wenn ihr Lust auf mehr Tipps und Storys zu meiner Reise allein durch Lateinamerika habt, dann schaut auf meinem Blog vorbei.

Eure Olivia 🙂

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