Nordamerika

Kanada – Road Trip auf dem Icefield Parkway

Von Patricia Thompson , 28. Juli 2017

Schon seit Jahren hat mich das zweitgrösste Land der Erde in seinen Bann gezogen. Endlose Wälder, imposante Berge, tosende Wasserfälle, ungefähr 2 Millionen Seen und die überaus freundlichen Menschen. Eine vielseitige Landschaft mit beeindruckender Tier- und Pflanzenwelt. Kanada besitzt Gebiete unberührter Natur in gigantischem Ausmass, also ideal für Abenteurer und Naturfreunde. Und natürlich wie geschaffen für einen kleinen Road Trip, zum Beispiel auf dem Icefield Parkway.

Von Banff nach Jasper – die wahrscheinlich schönsten 290 km der Welt

Banff

Meine letzte Reise führte mich unter anderem von Banff nach Jasper. Banff ist die grösste Ortschaft im Banff-Nationalpark, der zu den ältesten Nationalparks der Welt gehört, der älteste Park in Kanada! Das niedliche Städtchen Banff hat sich voll und ganz dem Tourismus verschrieben und platzt in der Hochsaison förmlich aus allen Nähten. Nichts desto trotz sind zwei bis drei Tage dort ein Muss, um die schönsten Attraktionen in und Banff erforschen zu können. Der Lake Minnewanka, die Bow Falls (mitten in Banff, Richtung Fairmont Hotel gelegen), die Canada House Art Gallery, der Surprise Corner – Aussichtsplattform mit bestem Blick auf das weltberühmte und imposante Fairmont Banff Springs Hotel, die Banff Gondola auf den Sulphur Mountain (mit CAD 62 pro Person eher teuer, aber lohnenswert) sind nur einige der unzähligen Sehenswürdigkeiten. Mein persönlicher Geheimtipp ist der Loop hinten beim Golfplatz wo man frühmorgens und spät am Abend die Wapitihirsche ungestört beobachten kann.

Empfehlen kann ich die Unterkünfte „Samesun Hostel Banff“, das sehr zentral in Banff gelegen ist, oder das nur drei Kilometer entfernte „HI Banff Alpine Center“, ein wunderschönes, authentisches Blockhaus. Einen etwas gehobeneren Standard bietet die Bow View Lodge. Wem der Magen knurrt rate ich unbedingt zu einem Besuch im „Melissa’s Missteak“ – leckere und preiswerte Steaks!

Da es auf dem Weg nach Jasper unzählige Sehenswürdigkeiten gibt und die knapp 290 km dadurch gut und gerne bis zu zwölf Stunden in Anspruch nehmen können, ist es sinnvoll die näher gelegenen Highlights in einem Tagesausflug ab Banff einzuplanen.

Moraine Lake & Lake Louise

Wir haben den traumhaften Moraine Lake, angeblich schöner als der Lake Louise, zuerst besucht. Der halbstündige Rockpile Trail am Moraine Lake lohnt sich sehr! Danach fuhren wir weiter zur Natural Bridge und dem Emerald Lake, wo vor Ort Kanus gemietet werden können. Letztere liegen beide im Yoho Nationalpark und sind innert 20 Minuten ab Lake Louise zu erreichen. Für einen Besuch des Lake Louise reichte es uns an diesem Tag leider nicht mehr, da sind wir wohl zu spät aufgestanden. 🙂

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Wenn man den Lake Louise nicht vor 09:30 Uhr erreicht, ist es praktisch aussichtslos noch einen Parkplatz zu ergattern und es wimmelt von Besuchern was die Idylle doch etwas stört, also haben wir den Besuch  auf den nächsten Tag verschoben. Wenn ihr den Blick auf den Lake Louise etwas einsamer geniessen möchte, solltet ihr die Wanderung zum „Agnes Teahouse“ nicht missen, diese Wanderung dauert pro Weg ungefähr eine Stunde. Die Anstrengung lohnt sich, denn der atemberaubende Blick auf den Lake Louise und die Berggipfel der Rocky Mountains ist unbezahlbar. Auf dem Rückweg nach Banff nehmt am besten die alte Strasse (1A), dort laufen einem mit etwas Glück wilde Tiere über den Weg bzw. die Strasse, also mit Vorsicht genießen!

Falls ihr dann immer noch nicht genug „Natur pur“ habt, plant einen Halt beim Johnston Canyon ein. Dieser war bei unserem Besuch leider wegen eines Sturmes gesperrt gewesen, die Parkverantwortlichen waren damit beschäftigt etwa 50 umgestürzte Bäume wegzuräumen!

Icefield Parkway

Die Fahrt auf dem Icefield Parkway nach Jasper haben wir am nächsten Tag frühmorgens in Angriff genommen, wir waren alle sehr gespannt! Bevor man losfährt, lohnt es sich etwas Proviant für ein Picknick einzupacken und den Wagen vollzutanken. Beachtet bitte auch, dass auf der Strecke Mobiltelefone keinen Empfang haben. Unseren ersten Stopp auf der Strecke haben wir am Lake Louise eingelegt. Die Menschenmenge hat sich in Grenzen gehalten und die Sicht war nicht zuletzt wegen des sonnigen Wetters ein Traum. Falls ihr für den „Agnes Teahouse Trail“ zu wenig Zeit habt, stellt euch gleich hinten beim „Hotel Fairmont Chateau“ etwas erhöht, um das berühmte türkisblaue Wasser betrachten zu können.

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Weiter ging es zum Peyto Lake & Bow Summit Viewpoint. Der Peyto Lake hat mir persönlich am besten gefallen. Türkisblaues Wasser eingebettet in ein wunderschönes, unberührtes Tal. Bei schönem Wetter spiegeln sich die Bergspitzen darin, Kanada wie aus dem Bilderbuch! Vom Parkplatz zum Viewpoint sind es etwa 10-15 Minuten zu Fuss, also keine grosse Anstrengung.

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Wir setzten unsere Fahrt auf dem Icefield Parkway fort und kamen aus dem Staunen nicht mehr raus: die Szenerie entlang der majestätischen Berggipfel, den zum Teil noch mit Eisschollen bedeckten Flüssen und Seen, z.B. der Bow Lake, konnte eindrücklicher nicht sein.

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Nördlich der Grenze zwischen den Nationalparks von Banff und Jasper liegt das Columbia Icefield direkt am Icefield Parkway. Das Columbia Icefield thront auf der „Triple Continental Divide“, von dem die drei grössten Flusssysteme Kanadas aus in den Pazifik bzw. in den Atlantik und den Arktischen Ozean fliessen. Das Columbia Icefield stellt eine der grössten Eisansammlungen südlich des Polarkreises dar. Beim Icefield Centre werden geführte Touren mit speziellen Bussen auf den Athabasca-Gletscher angeboten, was wir uns erspart haben. Diese Tour ist ziemlich teuer (CAD 94 vor Ort) und zudem ist es fraglich, ob diese Fahrten dem Gletscher gut tun. Wer sich dem Gletscher trotzdem nähern möchte, sollte zu Fuss bis an den Gletscherrand marschieren – gutes Schuhwerk nicht vergessen!

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Etwa sechs Kilometer vom Gletscher entfernt, befindet sich der Glacier Skywalk, eine begehbare, rundbogenförmige Plattform mit Glasboden. Der Skywalk liegt ca. 280m über dem Sunwapta Tal und man braucht schon etwas Mut um ihn zu begehen, zumindest schwindelfrei solltet ihr sein 🙂 Zum Skywalk kommt man übrigens nur mit einem Shuttle Bus, dieser fährt beim Icefield Center los, wo auch das Ticket dafür gekauft werden kann. Falls ihr diese einmalige Gletscherwelt abseits vom grossen Touristenstrom erleben möchtet, lauft den Parker Ridge Trail. Hier erwartet euch ein grandioser Ausblick auf den Saskatchewan Gletscher!

Einen weiteren Stopp haben wir bei den Sunwapta Falls eingelegt, wo es auch herrliche Plätze zum Picknicken gibt. Der Wasserfall ist 18 Meter hoch und rund 9 Meter breit und entspringt dem Athabasca Gletscher. Am eindrücklichsten sind die Sunwapta Falls wohl im Frühjahr, wenn die Schneeschmelze auf den Gipfeln eingesetzt hat.

Ein paar Kilometer weiter erwartete uns das nächste Highlight, die Athabasca Falls.  Das Wasser hat sich hier mit viel Kraft durch eine Schicht harten Quarzits und dem darunter liegenden Kalkstein gegraben. So entstand eine schmale, kurze Schlucht und es haben sich einige runde Auswaschungen, so genannte Potholes, gebildet. Die Fälle sind nicht wegen ihrer Höhe so spektakulär – sie sind 24 Meter hoch und 18 Meter breit – sondern wegen der enormen Kraft, mit die Wassermassen hier durch einen engen Spalt stürzen. Steigt auf jeden Fall die Treppen am Wasser entlang hinunter – es lohnt sich…

Jasper

Erst am Abend erreichten wir Jasper, den Hauptort des Jasper Nationalparks. Der Jasper Nationalpark ist der grösste in den Rocky Mountains und gehört längst zum UNESCO Weltkulturerbe. Jasper bietet eine gute Gelegenheit den Wagen aufzutanken, Lebensmittel zu kaufen oder Geld abzuheben. Auch Jasper hat sich dem Tourismus verschrieben, dies machen einem die zahlreichen Hotels, Restaurants und Souvenirläden schnell bewusst. Direkt neben der Hauptstrasse führen auch die Zuggleise vorbei. Diese sorgen unter anderem dafür, dass auch die Passagiere des Rocky Mountaineers dem Nationalpark einen Besuch abstatten können.

Jasper hat einiges zu bieten was aktiven Outdoorfreunden das Herz höher schlagen lässt. Wandern, Biken, Reiten, Kanufahren, Klettern oder Angeln sind nur ein paar der zahlreichen Möglichkeiten den Tag in der freien Natur zu verbringen. Inmitten der Ortschaft ist die Begegnung mit wilden Tieren nichts Ungewöhnliches, man sollte immer darauf gefasst sein, dass einem Wapitis über den Weg laufen, diese erfreuen sich immer wieder an den üppigen Gärten der Einwohner 🙂

Einen Besuch wert ist der Maligne Lake, der grösste Gletschersee in den Rocky Mountains. Dort lässt sich herrlich wandern, im Sommer baden oder eine Bootstour nach Spirit Island unternehmen. Die Bootstour lohnt sich sehr! Der Talbot Lake, etwa 20 Minuten östlich von Jasper gelegen, ist das Paradies für die Kanuten unter euch. Sollte das Wetter mal nicht mitspielen kann man kürzere aber auch wunderschöne Wanderungen rund um Jasper unternehmen. Als Unterkunft kann ich die „Maligne Lodge“ empfehlen, sehr ruhige Lage und trotzdem nur ca. 10 Gehminuten vom Zentrum entfernt. Mein Restaurant Tipp hier ist das „Earls Restaurant“ mitten in Jasper. Da sich im Restaurant auch eine Bar befindet, herrscht immer sehr viel Trubel und es kann auch mal laut werden. Das Essen jedoch schmeckt vorzüglich, Reservation wird empfohlen.

Für uns hiess es hier mit einem weinenden Auge Abschied zu nehmen und mit einem lachenden Auge den Weg nach Clearwater unter die Räder zu nehmen. Eines ist heute schon klar, in den kanadischen Rockies war ich nicht zum letzten Mal…

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