Asien

Indien – Freiwilligenarbeit in Goa

Von Maria Hoppstock , 28. Februar 2017

Indien – das Reiseland weckt bei jedem auf Anhieb eine bestimmte Vorstellung. Ob es die bunten Saris sind, die einem in den Sinn kommen, fröhliche Bollywood-Tänze, allgegenwärtige heilige Kühe oder einfach nur unglaublich viele Menschen und Schmutz. Mir ging es ähnlich, als ich erfuhr, dass mich mein nächstes Reiseabenteuer zu einem Freiwilligenprojekt an der Westküste Indiens, nach Goa, führen würde. Ich war neugierig, gespannt und auch etwas ängstlich, was mich vor Ort erwarten sollte.

Die Gründe, sich für Freiwilligenarbeit zu entscheiden, sind sicher sehr unterschiedlich. Bei mir war es in erster Linie der Gedanke, einmal etwas vollkommen anderes zu tun, raus aus der gewohnten Komfortzone. Ich wollte erleben wie es ist, meine freie Zeit dazu zu nutzen anderen zu helfen.

Die Projekte in Goa sind vorrangig auf Kinder und Frauen in einfachen Verhältnissen ausgerichtet. Hier wird, ungeachtet der eingeschränkten Möglichkeiten, Wissen vermittelt – Zahlen und Grundrechenarten, das Alphabet oder auch der Umgang mit Computern. Durch den Zugang zu Bildung soll das Selbstbewusstsein der Kinder und Frauen gestärkt und ihnen neue Perspektiven eröffnet werden. Vor Ort besucht man täglich zwei verschiedene Projekte. Eines am Morgen und eines am Nachmittag. Ich wurde für zwei sehr unterschiedliche Projekte eingeteilt. Morgens ging es in die Fishermen School, am Nachmittag in ein Waisenhaus.

Wie sieht der Alltag bei der Freiwilligenarbeit in Goa aus?

Nach dem Frühstück bringt uns ein Fahrer in die Fishermen School. Das Klassenzimmer ist einfach. Ein kleiner, abgetrennter Raum in einer Wellblechhütte. Das Dach ist mit Palmenwedeln und blauen Plastikplanen gedeckt. Bunte Bilder an den Wänden des Klassenzimmers vermitteln eine freundliche Atmosphäre. Vor der Hütte streunen wilde Hunde herum. Es riecht nach Fisch und Rauch.

Jeden Morgen bleibt unsere Ankunft nicht lange unbemerkt. Es dauert nur wenige Minuten und aus allen Richtungen kommen Kinder angelaufen, Mädchen und Jungen verschiedenen Alters von 1,5 bis 12 Jahren. Wir werden aufgeregt mit „teacher, teacher“ begrüßt. Nur kurz sind die Kinder zurückhaltend, dann werden auch wir „Neuen“ voll integriert  und herzlich empfangen.

Die größte Herausforderung für uns Freiwillige, ist der sehr unterschiedliche Bildungsstand der Kinder und die eingeschränkten Sprachkenntnisse im Englischen. Viele sprechen nur Hindi, das macht die Verständigung nicht immer leicht. Zum Glück werden wir von Arun begleitet, einem sehr erfahrenen Lehrer, der auch mit den Kindern gut vertraut ist.

Wir beginnen die Stunde mit einem kleinen Lied. Danach geht es an die Übungen: Schreiben des Alphabets, Lernen der Farben, Körperteile, Zahlen von 1 bis 100 und einfache Rechenaufgaben. Schnell komme allerdings ich selbst an meine Grenzen. Speziell beim Rechnen ohne Taschenrechner bin ich sehr aus der Übung, wie ich leider feststellen musste. So sind wir mit den Kindern fast eine Stunde konzentriert am Lernen.

Dann wird es Zeit für eine  kleine Pause. Ein paar bunte Bälle genügen für ein ausgelassenes Spiel. Die Kinder lachen und toben. Mir wird wieder bewusst, wie wenig es braucht, Kinderaugen zum Strahlen zu bringen. Im  Vormittagsprojekt verbringen wir täglich knapp zwei Stunden. Diese sind rasend schnell vorbei und die Kinder wollen uns jeden Tag kaum gehen lassen.

Dem ersten Projekt des Tages folgt eine Mittagspause. Täglich bekommen wir mittags die Vielfalt der indischen Küche serviert. In der Küche des Volunteer Camps wird frisch und sehr lecker gekocht. Da bleiben keine Wünsche offen.

Mein Nachmittagsprojekt beginnt wieder mit einer Autofahrt. Da das Waisenhaus etwa 20 Minuten vom Camp entfernt liegt. Im dichten Verkehr geht es vorbei an Baustellen. Dort tragen Frauen mit bunten Kleidern schwere Steinbrocken auf dem Kopf – unglaublich! Weiter fahren wir vorbei an Reisfeldern, den allgegenwärtigen Kühen, ärmlichen Hütten und moderneren Wohnvierteln. Die Mädchen im Waisenhaus sind zwischen 7 und 12 Jahre alt. Das Haus wirkt trostlos und grau, alle Fenster sind vergittert: auf den ersten Blick keine einladende Umgebung. Umso herzlicher sind die Mädchen. Wir werden auch hier begeistert empfangen und schließen unsere bezaubernden Schützlinge auf Zeit sofort ins Herz.

Treffpunkt ist ein kleiner Raum in Erdgeschoss. Wir werden bereits erwartet. Im Zimmer stehen ein paar alte Schreibtische, eine Tafel ist an die Wand gelehnt. Unsere Aufgabe ist es, den Mädchen bei ihren Hausaufgaben zu helfen. Das ist fast 15 Jahre nach der letzten Schulstunde für viele Freiwillige und auch mich eine echte Herausforderung. Dagegen wirken die Aufgaben vom Morgen in der Fishermen School wie ein Kinderspiel.

Bei aller Arbeit bleibt auch hier Zeit für Spaß. Die Mädchen sind neugierig, wie wir leben und kichern ausgelassen beim Erzählen, eben wie Mädchen überall auf der Welt. Die Zeit vergeht auch hier wie im Fluge und schon ist es wieder Zeit zu fahren.

Mein Fazit

Nach allem, was ich in der kurzen Zeit während der Freiwilligenarbeit in Goa erleben durfte, bin ich sehr dankbar für die Erfahrung. Die Arbeit mit den Kindern war für mich etwas ganz Besonderes. Wir wurden begeistert aufgenommen, immer mit einem Lächeln im Gesicht. Man weiß plötzlich vieles, das für uns selbstverständlich ist, wieder mehr zu schätzen. Die Reise und Projektarbeit waren aber auch eine Herausforderung. Gerade für mich als Mutti eines 4-jährigen Sohnes war es nicht immer leicht, die schwierigen Lebensumstände der Kinder auszublenden. Dennoch bin ich dankbar für diese besondere und einzigartige Erfahrung, die ich auf dieser Reise nach Indien machen durfte, die ich auf keinen Fall missen möchte.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 4.2/5 (6 votes cast)
Indien - Freiwilligenarbeit in Goa, 4.2 out of 5 based on 6 ratings

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.