Freiwilligenarbeit auf Koh Phra Thong in Thailand

Eine Gruppe von 10 STA Travel Mitarbeitern, aus Büros weltweit, trafen einander im November 2011 in Thailand. Sie wurden eingeladen bei der Fertigstellung des Gemeinde- & Trainings-Zentrum auf der Insel Koh Phra Thong „Hand anzulegen“ und die Eröffnungsfeier diese Zentrums mitzugestalten.

Die Anreise von Wien via Dubai nach Bangkok, mit dem neuen A380 Airbus, war schon ein Erlebnis für sich. Ich fühlte mich total wohl und genoss das „Inflight Entertainment“ ausgiebig, da ich es einfach nicht schaffte mehr als 2 Stunden auf diesem Langstreckenflug zu schlafen.

Tag 1: Nachdem ich schon am Vorabend in Phuket ankam, wurde ein Treffen mit den Kollegen von STA Travel und Bodhi, dem Verantwortlichen von Andeman Discoveries, bei einem gemeinsamen Mittagessen, nicht weit entfernt vom Flughafen, arrangiert. Als alle Kollegen vom Flughafen abgeholt waren, ging der offizielle Teil mit einer Teambesprechung los. Wir wurden auf die Gegebenheiten in Koh Phra Thong aufmerksam gemacht, über die DOs und DON’Ts auf der Insel und über den Umgang mit den Einheimischen aufgeklärt. Bodhi informierte uns über die Hintergründe des Projekts und die bisherige erfolgreiche Erreichung der festgelegten Ziele.

Nach dem Essen ging es weiter zum Greenview Resort in Kuraburi in der Nähe von Khao Lak. In der grünen Oase wurde uns ein Tag Urlaub geschenkt, bevor es so richtig los ging mit der wirklich harten Arbeit. Ein paar von uns entschlossen sich den hoteleigenen Pool unsicher zu machen. Am Weg bestellten wir ein paar Pina Coladas und so genossen wir den Sonnenschein – „another day at the office“!
Den Abend nutzten wir mit einem gemeinsamen Thai Abendessen im Hotel, mit Blick über die üppige Grünanlage des Resorts, um einander besser kennen zu lernen.

Tag 2: Gleich nach dem Frühstück fuhren wir zum Hafen, um mit 2 Longtailboaten auf die Insel Koh Phra Thong zu gelangen. Die Überfahrt dauerte ungefähr 1,5 Stunden. Wir fuhren entlang der Mangrovenwälder und dem Gebiet, das für die Erhaltung des Seegras markiert wurde, welches als Nahrungsquelle des vom aussterben bedrohten Dugong (=Seekuh) gilt. An Bord befand sich auch eine Mitarbeiterin von Biodiversity, die auch Bodhi bei der Aufklärung der Bewohner von Koh Phra Thong unterstützen. Dabei versuchen sie zu vermitteln, wie wichtig der Artenschutz ist und dass Nachhaltigkeit eine ernst zunehmende Pflicht gegenüber den Generationen die folgen ist.

Kurz bevor wir unser Ziel erreichten, wieß man uns auf eine besonder Bucht hin. An der hatten vor dem Tsunami am 26. Dezember 2004, 120 Häuser gestanden. Heute steht nicht mal eines. Dem Tsunami fielen 38 Einwohner des Dorfes zum Opfer, hauptsächlich Ältere Menschen und Kinder. Doch hatten die Einwohner großes Glück, da die Haupteinnahmequelle der Fischfang war, befanden sich zu der Zeit viele Leute auf See und wurden vom Unglück verschont. Nachdem die meisten Bewohner der Insel kaum schreiben oder lesen können, vertrauten sie auch den Banken kaum. Ihr hart erspartes wurde meist in Gold im Haus versteckt und viel ebenfalls dem Tsunami zum Opfer.

Als wir die Anlegestelle erreichten, wurden wir freundlich von den Bewohnern Ban Lions empfangen. Nach einem Spaziergang von 5 Minuten erreichten wir auch schon das Dorf und wurden im Anschluss von unseren „Mum’s“ übernommen und zu unseren Unterkünften gebracht. Unsere Mum nennt sich Bunny (Ich bin überzeugt man schreibt es anders, aber leider konnte sie uns das nicht erklären). Ausgestattet mit einem kleinen Thai Wörterbuch und einem Handout mit den gängigsten Phrasen, versuchen wir uns in Thai Smalltalk, unterstützt von übertriebenen Handzeichen und Grimassen. Bunny hatte für uns ein hervorragendes Mittagessen gezaubert und Miek (meine Homestay-Genossin aus Perth) und ich gingen in Thai Lobeshymnen auf: aroy…  sehr gut!


Am Nachmittag trafen wir uns im Gemeindehaus, um zu besprechen was die nächsten Tage auf dem Programm stehe und welche Arbeiten vor der Eröffnung unbedingt zu erledigen wären.

Tag 3: Nach dem Frühstück war ein früher Start im Gemeindehaus angesagt. Meiner Gruppe wurde Werkzeug und ein Kübel mit Zement zugeteilt. Wir machten uns daran die Behausung der Schlammkrabbe fertig zustellen – unsere Aufgabe für die Eröffnung des Museums im ersten Stock des Gemeindehauses. Der Rest unserer Kollegen strich Fensterrahmen, das Geländer für die Stiegenaufgänge, Fassade und die Wände der offenen Räumlichkeiten im Erdgeschoss.

Wieder wurden wir von unserer Mum mit Thai Köstlichkeiten verwöhnt. Am Abend stand ein Englisch-Thai Sprachkurs gemeinsam mit unseren „Hostfamilien“ auf dem Programm – das war ein Spaß!

Tag 4: Endlich bekamen wir die Altpapier Lieferung, aber statt dem Kleister konnte nur Holzleim aufgetrieben werden. Trotzdem schafften wir es unsere Krabbe mit Papiermaché einzukleiden. Als wir fertig waren strichen wir die Behausung der Schlammkrabbe und halfen den Kollegen wo „Not am Mann“ war. Am Abend stand Kochen mit der Hostfamilie auf dem Programm. Bunny kochte mit uns traditionelles Thai Green Curry, Jasminreis und gedämpftes Gemüse mit Austersauce, Chili und frischen Kräutern. Danach trafen wir uns alle im Gemeindehaus und Bodhi erzählte uns mehr über Ban Lions und seine Geschichte. Ungefähr 1,5 Jahre nach dem Tsunami tauchten Vertreter des Lions Club Thailand auf, um eine Siedlung als Ersatz für die in den Fluten verloren Pfahlbauten zu errichten. Die Repräsentanten des Clubs sprachen weder mit dem Chief des Dorfes oder den Bewohnern, um gemeinsam eine Entscheidung zutreffen wo dieses neue Dorf errichtet werden soll. Sie schickten einfach ein Bauunternehmen, das auf Anordnung diese unzähligen Häuser aus dem Boden stampfte. Zur gleichen Zeit errichtete der Thai König eine Siedlung für die Überlebenden am Festland. Nun fühlten sich einige Bewohne in der Schuld des Königs und übersiedelten in die Siedlung am Festland. Die restlichen Bewohner zogen in die Häuser des Lions Club Thailands. Durch diese Absiedelung wohnten auf einmal zu wenige Kinder im Dorf, um die Schule, die ebenfalls neu gebaut wurde, in Betrieb zu nehmen. Es kam zu einer weiteren Absiedelung, von Familien mit Kindern, die sich die Strapazen von 20 Kilometern täglich einfach ersparen wollten. Die wenigen Kinder die noch in Ban Lions leben sind entweder noch nicht schulpflichtig oder kommen nur am Wochenende nach Hause und wohnen bei der Familie in der Nähe der Schule am anderen Ende der Insel.
Zusätzlich erzählte uns Lin, dass die Errichtung der Siedlung in 3 Bauphasen durchgeführt wurde. Nach Bauphase 2 waren die Geldmittel des Lions Club Thailand zu Ende und Bewohner mussten Geldmittel auf die Beine stellen, um den Bau zu vollenden. Es wurde auch ein Generator aufgestellt während der 2. Bauphase, nur leider konnte dieser nie in Betrieb genommen werden, da er schon defekt geliefert wurde. Diese Tatsache interessierte ebenfalls den Lions Club Thailand nicht, daher griffen die Bewohner wieder in die eigenen Taschen, um auch die Stromversorgung in Gang zu setzten.

Bodhi erklärte uns, das oft der „Human Factor“ bei Projekten dieser Natur vergessen werde. Was sehr schade sei, denn die Einbindung der Bewohner und des Chiefs würde automatisch zum Erfolg eines Projektes beitragen. Natürlich müsse man auch auf die Bedürfnisse und Bereitschaft der Bewohner eingegangen werden – und man könne nicht einfach einen Zeitpunkt festlegen, wann geholfen werden würde! Man müsse auch den Beteiligten die Chance geben Verbesserungsvorschläge und neue Ideen wirken zu lassen – die Uhren ticken in Thailand einfach langsamer als in der westlichen Welt!

Tag 5: Nachdem wir die letzten Arbeiten am Gemeinschaftshaus abgeschlossen hatten, ging es per Traktor mit Anhänger zu den beiden weiteren Dörfern der Insel. Tapa Yoi und Toom Tam. Dabei besuchten wir die einzige Schule auf der Insel. Danach ging es weiter zur Orchideenfarm. Wir halfen mit Zäunen für eine Orchideenart zu bauen – die regelmäßig vom Dammwild angeknabbert wird, das ebenfalls auf der Insel gezüchtet wird. Zusätzlich säuberten wir einen Weg von Ästen & Laub – damit die Orchideenfarm vor einem möglichen Übergriff eines Buschfeuers geschützt ist.Nach getaner Arbeit wurden wir mit einem leckeren Thai Gerichten verköstigt.

Nun ging es zum Strand, um ein wenig zu relaxen. Zwischendurch fanden wir Zeit mit Dden batikähnlichen Färbetechniken zu experimentieren. Dabei werden nur Farben verwendet die aus den Mangrovenwäldern auf der Insel gewonnen werden und die dem Stoffen einen rötlich/rosteigen oder schwarz/grauen Farbton verleihen. Nach dem Abendessen stand „Thai Dessert Making“ an. Unsere Mum’s zeigten uns wie man das zubereitet und wie man diese vom Kohlenoffen runternascht, ohne sich dabei die Zunge zu verbrennen – ein sehr süss-klebrige Angelegenheit.

Tag 6: Nach dem Frühstück zog die Gruppe ohne mich los, um eine Wanderung auf Koh Ra zu machen. Mir ging es gar nicht gut, ob nun mein Kreislauf daran schuld war oder eine Erkältung im Anmarsch konnte ich nicht wirklich deuten, daher beschloss ich bis am Nachmittag das Bett zuhüten.
So gegen 13:00 Uhr starteten wir mit den Vorbereitungen für die Eröffnungsfeier. Bis 17:00 Uhr mussten noch eine Menge Ballons aufgeblasen, ein Banner bemalt und der legendäre „Ban Lions Fruite Punsch“ gebraut werden. Unter dem straffen Zeitmanagement von Lin und Bodhi wurden wir pünktlich fertig und schon trafen die ersten Gäste von den anderen Dörfern der Insel ein. Nach Eintreffen des buddhistischen Mönch begann der offizielle Teil des Abends. Das Gemeinde- & Trainings Zentrum wurde eingeweiht und danach gab es eine Ansprache des Ban Lions Chiefs, der sich bei uns Helfern für das Anpacken und besonders bei STA Travel für die finanzielle Unterstützung bedankte.

Nachdem wir gemeinsam gespeist hatten, begann der unterhaltsame Teil des Abends. Zuerst wurden die Karaoke-Künste der einzelnen Gäste unter Beweis gestellt. Wobei Miek mit einer Arie aus einer Oper alle unter den Tisch sang! Danach versuchten wir Farangs (= Ausländer, wird wie „falang“ ausgesprochen) alle zum Tanz aufzufordern. Die Kinder, die gekommen waren, schnappten sich jeweils abwechselt einen von uns und wir nahmen sie hoch, um auf Augenhöhe zu tanzen. Es wurde getanzt und gefeiert bis weit nach Mitternacht und zu unserem Vergnügen wurde auch der Generator viel später als sonst abgedreht!

Tag 7: Nach dem Frühstück packten wir etwas verkatert unsere Habseligkeiten zusammen und gingen gemeinsam mit unseren Mum’s zur Anlegestelle. Es ist ein Brauch die Homestay Gäste bis zum Ablegen des Longtailboat zu begleiten und zum Abschied zu winken. Wir hatten Bunny die letzten Tage in unser Herz geschlossen und obwohl wir nicht perfekt Thai sprechen konnten, ist es uns gelungen zu „connecten“.

 

Ganz wichtig auf dieser Tour:

  1. Surf-Schuhe für den Spaziergang durch den Mangrovenwald
  2. Kleingeld für den kleinen Laden in Ban Lion
  3. Kopfbedeckung mit Nackenschutz gegen Sonne, ausreichend Sonnenschutz mit hohem Schutzfaktor (=wasserfest) und Moskitospray (NO-Bite).
  4. Brett- oder Kartenspiel
  5. LED Stirnlampe oder Taschenlampe
  6. WC Papier, Feuchttücher & antibakterielles Hand Gel
  7. Biologisch abbaubares Duschgel & Haarshampoo und ein Reisehandtuch
  8. Leichter Seiden- oder Baumwollschlafsack und aufblasbares Pölsterchen
  9. Zeichen- & Bastelmaterial für die Schule
  10. Nähzeug, Knöpfe, Reißverschlüsse – und ähnliches Material, als Mitbringsel für die „Mum’s“ – sie werden es Euch danken!

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1 Kommentar

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    Sabrina Haseloff 12. März 2012 at 19:10

    Hallo, sehr schöne Berichterstattung die ganz interessante Einblicke gewährt. Das Projekt finde ich super. Es ist so wichtig den Wiederaufbau und die Entwicklung des Landes zu unterstützen. Das habt ihr getan und dafür große Anerkennung von mir. Fazit für mich: Thailand ist ein wunderbares Land. Natur& Land& Leute, wer daran keinen Gefallen findet, ich kann es kaum verstehen. Eine Kombination von Work& Travel ist gut durchdacht, so kann die Arbeit Spaß machen und anderen Menschen helfen.
    Danke für die Berichterstattung + Bilder. Mein Interesse ist geweckt ähnliches zu planen

Kommentare

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